Anschlussfinanzierung: Lohnt sich ein Bankwechsel?

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Die Zinsbindungsfrist Ihres Immobilienkredits nähert sich dem Ende und Sie stehen vor der Entscheidung, wie es weitergeht. Viele Kreditnehmer nehmen aus Bequemlichkeit das Angebot ihrer bisherigen Bank zur Prolongation an, ohne die Konditionen auf dem Markt zu vergleichen. Doch gerade bei der Anschlussfinanzierung birgt ein Wechsel zu einem anderen Kreditinstitut, die sogenannte Umschuldung, oft ein erhebliches Sparpotenzial. Dennoch ist der Wechsel auch mit einem gewissen bürokratischen Aufwand und Kosten verbunden. Insbesondere die Gebühren für die Übertragung der Grundschuld werfen bei vielen Eigentümern die Frage auf, ab wann sich der Wechsel zu einer neuen Bank finanziell wirklich auszahlt.

Frühzeitige Planung sichert beste Zinsen

Der wichtigste Faktor bei der Anschlussfinanzierung ist die Zeit. Beginnen Sie nicht erst wenige Wochen vor Ablauf der Zinsbindungsfrist mit der Planung. Finanzexperten raten dazu, sich bereits zwölf bis sechsunddreißig Monate vor dem Ende der Laufzeit einen genauen Überblick über das aktuelle Zinsniveau zu verschaffen. In Deutschland haben Sie nach Ablauf von zehn Jahren gemäß § 489 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht. Dieses greift unabhängig von einer möglicherweise längeren vertraglichen Zinsbindung.

Wenn die Zinsen am Kapitalmarkt, die beispielsweise von der Deutschen Bundesbank beobachtet werden, derzeit niedrig sind, kann sich ein sogenanntes Forward-Darlehen lohnen. Damit sichern Sie sich die aktuellen Zinskonditionen für die Zukunft, meist gegen einen überschaubaren Zinsaufschlag. Die frühzeitige Auseinandersetzung gibt Ihnen den nötigen Spielraum, um Angebote verschiedener Banken in Ruhe zu prüfen. So können Sie die beste Entscheidung für Ihre finanzielle Situation treffen, ohne unter Zeitdruck handeln zu müssen.

Prolongation versus Umschuldung im Detail

Wenn die bisherige Zinsbindung ausläuft, macht Ihnen Ihre aktuelle Bank in der Regel unaufgefordert ein Angebot zur Prolongation, also zur Verlängerung des bestehenden Darlehensvertrags. Dieser Weg ist für Sie als Kreditnehmer am unkompliziertesten. Es sind keine umfangreichen erneuten Bonitätsprüfungen notwendig, und auch die im Grundbuch eingetragene Grundschuld bleibt unangetastet. Allerdings ist das Angebot der Hausbank in sehr vielen Fällen nicht das günstigste am Markt.

Eine Umschuldung zu einer anderen Bank bedeutet hingegen, dass die neue Bank die Restschuld bei der alten Bank vollständig ablöst. Sie schließen einen komplett neuen Darlehensvertrag mit neuen Konditionen ab. Da der Wettbewerb auf dem deutschen Markt für Baufinanzierungen intensiv ist, bieten neue Banken oft deutlich niedrigere Zinssätze an, um Sie als Neukunden zu gewinnen. Selbst ein Zinsunterschied von nur wenigen Zehntel Prozentpunkten kann bei den meist hohen Darlehenssummen über die verbleibenden Jahre hinweg eine Ersparnis von mehreren Tausend Euro bedeuten.

Die Kosten des Wechsels: Notar- und Grundbuchgebühren

Der entscheidende Punkt bei der Abwägung für oder gegen eine Umschuldung sind die anfallenden Wechselkosten. Wenn Sie die Bank wechseln, muss die als Sicherheit dienende Grundschuld im Grundbuch von der alten auf die neue Bank übertragen werden. Dies geschieht in der Regel durch eine notarielle Grundschuldabtretung. In Deutschland sind die Kosten für Notar und Grundbuchamt gesetzlich im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) geregelt.

Als grober Richtwert für die Kosten der Grundschuldabtretung gelten etwa 0,2 bis 0,3 Prozent der abzutretenden Grundschuldsumme. Beläuft sich Ihre eingetragene Grundschuld beispielsweise auf 200.000 Euro, müssen Sie mit Kosten von etwa 400 bis 600 Euro rechnen. Es ist essenziell, dass Sie diese einmaligen Gebühren der potenziellen Zinsersparnis gegenüberstellen. Eine vollständige Löschung der alten und Neuaufnahme einer neuen Grundschuld wäre deutlich teurer, weshalb Banken in der Praxis fast immer die kostengünstigere Abtretung der bestehenden Grundschuld bevorzugen.

Die Berechnung: Ab wann rechnet sich die Umschuldung?

Damit sich der Wechsel zu einer neuen Bank finanziell lohnt, muss die Ersparnis durch den günstigeren Zinssatz die anfallenden Kosten für die Grundschuldabtretung übersteigen. Diese Rechnung lässt sich mit einem einfachen Vergleich aufstellen. Vergleichen Sie die Zinskosten, die bei der Prolongation bei Ihrer Hausbank über die neue Zinsbindungsfrist entstehen würden, mit den Zinskosten der neuen Bank. Ziehen Sie von der errechneten Ersparnis die Notar- und Grundbuchkosten ab.

Bleibt nach diesem Abzug ein positiver Betrag, ist der Wechsel wirtschaftlich sinnvoll. Oftmals amortisieren sich die Wechselkosten bereits im Laufe des ersten Jahres der neuen Zinsbindungsfrist. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit, bei einem neuen Vertrag die Rahmenbedingungen an Ihre aktuelle Lebenssituation anzupassen. So können Sie beispielsweise den Tilgungssatz erhöhen, um schneller schuldenfrei zu sein, oder flexiblere Sondertilgungsrechte vereinbaren, die im alten Vertrag vielleicht nicht enthalten oder mit hohen Aufschlägen verbunden waren.

Wichtige Schritte auf dem Weg zum Bankwechsel

Haben Sie sich nach der Berechnung für eine Umschuldung entschieden, ist ein strukturiertes Vorgehen ratsam. Holen Sie sich zunächst immer ein konkretes Angebot Ihrer aktuellen Bank für die Prolongation ein, um einen belastbaren und realistischen Vergleichswert zu haben. Anschließend sollten Sie den Markt intensiv sondieren. Das Einholen verschiedener Angebote hilft dabei, die besten Konditionen für Ihre spezifische Restschuld und Objektbewertung zu finden.

Haben Sie eine neue Bank gefunden, prüft diese Ihre Bonität und den Wert der Immobilie neu, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zur Kreditwürdigkeitsprüfung, über deren Einhaltung die BaFin wacht. Stellen Sie sicher, dass Sie alle erforderlichen Unterlagen wie aktuelle Einkommensnachweise, Kontoauszüge und Objektunterlagen zügig bereitstellen können. Die Banken organisieren die rechtliche Abwicklung der Grundschuldabtretung dann meist untereinander. Sie müssen im Wesentlichen nur noch die entsprechenden Formulare für den Notar unterzeichnen.

Empfehlungen für den reibungslosen Übergang

Die Anschlussfinanzierung bietet Ihnen eine hervorragende Gelegenheit, die Weichen für die weitere Abzahlung Ihrer Immobilie neu und besser zu stellen. Verlassen Sie sich keinesfalls blind auf das erstbeste Angebot Ihrer Hausbank, sondern vergleichen Sie die Marktkonditionen kritisch. Eine Umschuldung kann trotz der unvermeidbaren Notar- und Grundbuchgebühren für die Grundschuldabtretung zu einer erheblichen finanziellen Entlastung Ihres monatlichen Haushaltsbudgets führen.

Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, die Gesamtkosten detailliert durchzurechnen, und wägen Sie ab, ob die Zinsersparnis den überschaubaren administrativen Aufwand rechtfertigt. Indem Sie rechtzeitig handeln, Fristen im Blick behalten und Angebote sorgfältig prüfen, sichern Sie sich die optimale Finanzierungsstruktur für die kommenden Jahre und kommen Ihrem Ziel einer vollständig abbezahlten Immobilie mit effizienten Schritten näher.

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