Ein neuer Fernseher, das moderne Smartphone oder die neue Einbauküche: Im deutschen Einzelhandel begegnet Verbrauchern beinahe täglich das Angebot der Null-Prozent-Finanzierung. Die Werbebotschaft klingt verlockend einfach und verspricht, dass der Kaufpreis in kleinen monatlichen Raten abbezahlt werden kann, ohne dass zusätzliche Zinsen anfallen. Doch was auf den ersten Blick wie ein großzügiges Geschenk des Händlers wirkt, ist in der Realität ein handfestes Kreditgeschäft. Für viele Käufer stellt sich daher die berechtigte Frage, ob dieser Ratenkauf tatsächlich komplett kostenlos ist oder ob finanzielle Fallstricke im Kleingedruckten lauern.
Tatsächlich handelt es sich bei einer Null-Prozent-Finanzierung um einen regulären Verbraucherkredit. Der Händler tritt dabei lediglich als Vermittler auf; der eigentliche Vertragspartner ist die Partnerbank des Einzelhändlers. Die Bank verleiht das Geld nicht ohne Ertragsabsicht. Die Kosten für den Kredit übernimmt meist der Händler, der der Bank eine Provision zahlt. Diese Kosten holt sich der Händler jedoch häufig durch eine geringere Rabattbereitschaft oder von vornherein höher kalkulierte Verkaufspreise zurück. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, warum die vermeintlich kostenlose Finanzierung für Verbraucher teuer werden kann.
Versteckte Kosten durch Zusatzprodukte und Preisaufschläge
Ein zentraler Aspekt der Null-Prozent-Finanzierung ist die Preisbindung. Wer sich für den Ratenkauf entscheidet, zahlt den ausgezeichneten Preis des Händlers. Ein Preisvergleich über unabhängige Portale zeigt jedoch oft, dass exakt dasselbe Produkt bei anderen Anbietern ohne Finanzierungsangebot deutlich günstiger ist. Die Zinskosten sind in diesen Fällen im Kaufpreis versteckt. Barzahler fahren bei einem günstigeren Anschaffungspreis häufig besser.
Darüber hinaus versuchen Banken und Händler oft, im Zuge des Vertragsabschlusses zusätzliche, kostenpflichtige Produkte zu verkaufen. Verbreitet ist die Restschuldversicherung, die einspringen soll, wenn der Kreditnehmer durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit die Raten nicht bedienen kann. Die Prämien für eine solche Versicherung sind oft unverhältnismäßig hoch und machen den kostenlosen Kredit schlagartig teuer. Auch Garantieverlängerungen werden gerne in Kombination angeboten und erhöhen die Gesamtbelastung erheblich.
Auswirkungen auf die Schufa und die persönliche Bonität
Ein häufig unterschätztes Risiko der Null-Prozent-Finanzierung in Deutschland ist der Schufa-Fußabdruck. Da es sich um einen echten Kredit handelt, prüft die finanzierende Bank die Identität und Bonität des Kunden. Im gleichen Zug holt sie eine Auskunft bei Auskunfteien wie der Schufa Holding AG ein und meldet den Abschluss des Kredits. Dies geschieht unabhängig davon, ob Zinsen anfallen oder nicht.
Selbst wenn der Käufer die Raten stets pünktlich bezahlt, kann sich das Vorhandensein mehrerer kleiner Ratenkredite negativ auf den persönlichen Schufa-Score auswirken. Statistische Auswertungen zeigen, dass Personen mit vielen Kleinkrediten ein höheres Risiko für Zahlungsausfälle aufweisen. Ein gesunkener Score kann weitreichende Folgen haben: Wenn später ein wichtiger Kredit für eine Immobilie oder ein Auto benötigt wird, kann dieser deutlich teurer werden oder ganz abgelehnt werden.
Die Falle der teuren Anschlusskredite und Rahmenkredite
Eine weitere profitable Einnahmequelle für die Partnerbanken der Einzelhändler sind Folgegeschäfte. Oftmals unterschreiben Verbraucher im Elektromarkt nicht nur einen einfachen Ratenkreditvertrag über den Kaufpreis, sondern eröffnen gleichzeitig einen revolvierenden Rahmenkredit oder beantragen eine Kreditkarte. Die Null-Prozent-Konditionen gelten in diesem Fall jedoch ausschließlich für den initialen Einkauf beim Händler.
Werden diese Kreditkarten oder der finanzielle Spielraum später für andere Einkäufe genutzt, fallen in der Regel extrem hohe Zinsen an. Diese liegen nicht selten im zweistelligen Bereich. Zudem sind die voreingestellten Rückzahlungsraten für diese Anschlusskredite oft sehr niedrig gewählt. Die monatliche Rate deckt dann kaum die anfallenden Zinsen, wodurch sich die Schuldenfalle langsam schließt und die Tilgung über Jahre gestreckt wird.
Datenhandel und strikte Zahlungsdisziplin
Nicht zuletzt bezahlen Verbraucher bei einer Null-Prozent-Finanzierung oft mit ihren persönlichen Daten. Die Banken gewinnen durch den Vertragsabschluss detaillierte Einblicke in das Konsumverhalten, welche für gezielte Marketingmaßnahmen genutzt werden. Das Postfach füllt sich schnell mit Angeboten für weitere Finanzprodukte.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die absolute Notwendigkeit der Zahlungsdisziplin. Sobald eine Rate zu spät überwiesen wird oder eine Lastschrift mangels Kontodeckung platzt, fallen hohe Verzugszinsen, Rücklastschriftgebühren und Mahnkosten an. In manchen Verträgen entfällt bei Zahlungsverzug rückwirkend die Zinsfreiheit, und der Vertrag wandelt sich in einen teuren regulären Ratenkredit um.
Praktische Tipps für den souveränen Umgang mit Ratenkäufen
Um nicht in die Kostenfallen der Null-Prozent-Finanzierung zu tappen, sollten Verbraucher Spontankäufe vermeiden. Ein gründlicher Preisvergleich ist unerlässlich. Oft lohnt es sich, bei einem anderen Anbieter bar zu bezahlen und den günstigeren Preis zu nutzen. Wer das Geld nicht flüssig hat, sollte prüfen, ob ein herkömmlicher Ratenkredit bei einer Direktbank nicht günstiger ausfällt, da man dort beim Händler als Barzahler auftreten und eventuell Skonto aushandeln kann.
Wird dennoch die Null-Prozent-Finanzierung gewählt, gilt es, den Vertrag vor der Unterschrift genau zu prüfen. Zusätzliche Versicherungen oder Kreditkarten sollten abgelehnt oder fristgerecht widerrufen werden. Zudem ist es ratsam, die monatlichen Abbuchungen im Blick zu behalten und für eine ausreichende Kontodeckung zu sorgen. Nach vollständiger Tilgung des Kredits sollte man überprüfen, ob der Eintrag bei Auskunfteien wie der Schufa korrekt als erledigt markiert wurde. Weiterführende Informationen bieten oft unabhängige Beratungsstellen wie die Verbraucherzentrale. Nur mit dieser Vorsicht bleibt der kostenlose Kredit auch kostenfrei.
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